Wie dringend es ist, gegen häusliche Gewalt an Frauen aktiv zu werden, darauf machten SkF, die Polizei, Soroptimistinnen und die Politik aufmerksam. Bei der Aktion weckten vor allem orangefarbene Schuhe das Interesse der Vorübergehenden.
Oberbürgermeister Michael Cerny fand deutliche Worte. „Wir haben kein Verständnis für Gewalt“, stellte er beim Startschuss zur Aktion gegen häusliche Gewalt auf dem Marktplatz unmissverständlich fest. Er hatte es sich ebenso wie weitere Vertreterinnen und Vertreter des öffentlichen Lebens nicht nehmen lassen, an diesem besonderen Aktionstag teilzunehmen, der alljährlich im Rahmen der UN-Kampagne „Orange The World“ seit 1991 auf Gewalt gegen Frauen aufmerksam macht und daher als „Orange Day“ bekannt ist.
In Amberg haben sich dazu erneut der Sozialdienst katholischer Frauen (SkF) und der örtliche Club von Soroptimist International (SI) Deutschland zusammengetan, um betroffenen Frauen Mut zu machen, sich Hilfe zu suchen – und alle Bürgerinnen und Bürger, auf die Zeichen zu achten, die auf psychische wie physische Gewalt hindeuten könnten. Dabei stellten sie vor allem eine Botschaft in den Vordergrund: Dass Frauen mit dieser Situation nicht allein gelassen werden und sich bei Bedarf kostenlos sowie rund um die Uhr an den Frauennotruf (Telefon 09621/22200, E-Mail notruf@skf-amberg.de) wenden können.
Unterstützung durch Politik und Behörden
Um sichtbar zu machen, was sich hinter diesem Aufruf versteckt, wurden nicht nur Infoflyer und mehr als 500 – von dem auf dem Amberger Wochenmarkt vertretenen Gemüsebaubetrieb Schweiger aus Pettendorf gestiftete – Mandarinen an die Vorübergehenden verteilt. Besondere Aufmerksamkeit genossen vor allem die 155 Paar orangefarben besprühten Frauenschuhe, von denen jedes einzelne Paar stellvertretend für eine Frau steht, die laut offizieller Statistik im vergangenen Jahr von ihrem Partner oder Expartner getötet wurde. Die danebenstehenden Kinderschuhe machten ergänzend darauf aufmerksam, dass nicht nur die Frauen, sondern immer auch die gesamte Familie von den Folgen dieser Gewalt betroffen ist.
Große Unterstützung erfuhren die aktiven Frauen mit den beiden SkF-Verantwortlichen Julia Möbus und Marianna Neugirg an vorderster Front sowie der engagierten Kämpferin für Frauenrechte Maria Geiss-Wittmann an ihrer Seite zum einen von den Passantinnen und Passanten, genauso aber auch von Vertreterinnen und Vertretern aus Politik und Verwaltung. So war auch Bundestagsabgeordnete Susanne Hierl eigens nach Amberg gekommen, um sich beim SkF „für das, was Sie tun“ ganz herzlich zu bedanken. Gleichzeitig stellte sie jedoch klar: „Das ist noch immer nicht genug.“ Denn jede Frau, die häusliche Gewalt erlebe oder gar mit dem Leben bezahle, sei eine zu viel, betonte sie und räumte ein: „Hier muss auch von Seiten der Politik noch mehr getan werden.“
Ein wichtiges Beispiel dafür nannte SkF-Vorsitzende Marianne Gutwein in ihrem Wortbeitrag. „Das Gewalthilfegesetz wäre wichtig“, machte sie deutlich und nahm damit auf die Tatsache Bezug, dass nach dem Scheitern der Koalition derzeit noch offen ist, wann und in welcher Form das geplante Gesetz verabschiedet werden kann. Froh zeigte sie sich über die Unterstützung vonseiten der Soroptimistinnen, vor allem aber auch durch die Polizei: „Sie steht an unserer Seite.“
Die Zeichen deuten und Hilfe anbieten
Aus diesem Grund nahmen auch die beiden stellvertretenden Leiter der Polizeiinspektionen Amberg und Sulzbach-Rosenberg, Günter Grießhammer und Achim Kuchenbecker, an der Aktion teil und bedankten sich ihrerseits für die Unterstützung und gute Zusammenarbeit mit dem Sozialdienst katholischer Frauen. Begleitet wurden sie von Thomas Emmerich sowie von Jutta Kiener und Martin Mehlhorn, die in den Polizeiinspektionen Amberg und Sulzbach-Rosenberg als Ansprechpartner für von häuslicher Gewalt Betroffene fungieren und dafür besonders ausgebildet sind. Auch Abteilungsleiter Dr. Norbert Vogl, der das Landratsamt Amberg-Sulzbach vertrat, bedankte sich im Namen seiner Behörde für die „wertvolle Arbeit“, die in diesem Bereich geleistet werde.
Julia Möbus vom SkF-Frauennotruf und Heidi Heckmann, die amtierende Präsidentin des Soroptimist-Clubs Amberg-Sulzbach, hatten es schließlich übernommen, an die durch die Schuhe repräsentierten Opfer zu erinnern und daran, dass noch viel mehr Frauen Opfer häuslicher Gewalt werden und die Zahl 155 nur die Spitze des Eisbergs darstellt. An alle Nichtbetroffenen appellierten sie: „Read the Signs, deuten Sie die Zeichen und helfen Sie Frauen, die von Partnern oder Expartnern Gewalt erfahren, in ihrer Situation.“